Drei neue Weine sind bei Bello Vero, unserem italienischen Restaurant in Kitashirakawa (Kyoto), eingetroffen. Alle aus Italien, und alle drei verbindet ein Stichwort: Maischestandzeit — die Vergärung des Mostes auf den Beerenschalen, ein Kernverfahren der norditalienischen Naturweinszene.
Aus einer einzigen piemontesischen Lage namens Palme kommen ein Rotwein (Barbera) und ein maischevergorener Weißer (Chardonnay). Dazu ein Orange Wine aus einem kleinen Hügel der Emilia. Hier sind sie der Reihe nach.
1. Montepascolo „Solata" (Emilia-Romagna, Italien)
Die erste Flasche stammt aus dem westlichen Rand der Emilia-Romagna, dem Val d'Arda-Tal bei Castell'Arquato in der Provinz Piacenza. Montepascolo ist ein winziges Familienweingut mit nur 13 ha (5 ha Rebfläche), geführt von Andrea und Paola — bio-zertifiziert, derzeit auf Demeter-Umstellung.
Cuvée: Malvasia di Candia Aromatica + Sauvignon Blanc + Moscato (je nach Jahrgang auch Traminer) — drei bis vier aromatische Sorten gemeinsam auf der Maische vergoren, ganz im klassischen Stil des norditalienischen Orange Wine.
Der Wein erhält eine lange Maischestandzeit von 50–60 Tagen, spontane Gärung im Betontank, danach 12 Monate Reifung im Beton und weitere 12 Monate Flaschenreife. Schwefel auf das Minimum reduziert. Unfiltriert, ungeschönt. Ca. 14 % vol.
„Solata" bedeutet auf Italienisch „der sonnige Ort" — der Lagenname selbst.
Im Glas leuchtendes Bernstein. In der Nase kandierte Aprikose, Orangenschale, getrocknete Kräuter, schwarzer Tee, Bienenwachs, ein Hauch Ingwer. Am Gaumen entfalten sich die Aromen der drei bis vier Sorten auf einem tanninbetonten Gerüst, das die lange Maische gegeben hat. Weiche Säure und Mineralik straffen den Abgang — komplex und doch zugänglich.
Passt zu iberischem Schinken und gereiftem Käse, Salsiccia, Steinpilz-Pasta, Geflügel oder Schwein mit Kräutern oder würziger asiatischer Küche. Etwas wärmer servieren (12–14°C), damit sich die Aromen entfalten.
2. Ezio Trinchero „Palme 2023" (Piemont, Italien)
Weiter nach Nordwesten ins Piemont, nach Agliano Terme in der Provinz Asti — eines der Herzstücke des Barbera d'Asti. Ezio Trinchero ist ein etabliertes Familienweingut, eines der ersten in der Region, das auf Naturweinmethoden umgestellt hat.
„Palme" ist der Name einer seiner Lagen: rund 2 ha Barbera, gepflanzt 1982, südöstliche Ausrichtung, etwa 250 m Höhe, Kalkböden. Aus dieser Lage kommen sowohl der Rote (Barbera) als auch der Weiße (Chardonnay).
Sorte: Barbera 100 %. Spontan vergoren auf den Schalen, biologischer Anbau, Naturweinausbau. Barbera bringt typischerweise hohe Säure und milde Tannine, der Asti-Stil zeichnet sich durch besonders direkte, helle Frucht aus.
Im Glas tiefes Rubinrot. Schwarze Kirsche, Pflaume, Veilchen, feine Würze, Lakritz. Am Gaumen die typisch saftige Säure des Barbera, feinkörnige Tannine, lebendige Frucht. Weder zu wuchtig noch zu leicht — ein Rotwein für die Mitte des Tisches.
Passt zu Rinderwangen-Bolognese, Salsiccia in Tomatensauce, Pilzpasta mit schwarzem Pfeffer, Kalbs- oder Hähnchenbraten mit Balsamico, Parmigiano-Risotto. Leicht gekühlt servieren (15–16°C).
3. Ezio Trinchero „Palme 2024" (Piemont, Italien)
Der dritte Wein ist der weiße Bruder aus derselben Palme-Lage. Die beiden Palme-Weine sind keine separat etikettierten Cuvées — sie sind Zwillinge in Rot und Weiß aus einem einzigen Stück Boden.
Sorte: Chardonnay 100 %, gepflanzt 1980, gleiche südöstliche Hanglage auf 250 m, Kalkböden — direkt neben dem Barbera. Chardonnay kommt im Piemont vereinzelt vor (etwa rund um Gattinara), aber selten in dieser natürlichen, lagenbetonten Lesart.
Anfang September von Hand gelesen, sanft gepresst, dann 2–3 Tage Maischestandzeit vor der Gärung. Genau hier liegt der Schlüssel: Es ist kein klassischer Weißwein, sondern ein maischevergorener Weißer mit Tendenz Richtung Orange. Reifung 6 Monate in slawonischer Eiche. 13,5 % vol.
Im Glas helles Gold mit leichter Bernsteinnote. Anders als ein typischer Chardonnay öffnet er nicht mit Butter oder Vanille, sondern führt mit Kräutern, Gewürzen und Trockenblumen; dahinter gelber Apfel, Birne, Birnenkompott. Am Gaumen die breite Frucht des Chardonnay, dazu der zarte Maischegriff. Holz dezent; Säure und Mineralik halten den Abgang straff.
Passt zu gegrilltem Weißfisch mit Kräutersauce, Hähnchenbraten mit Pilzen, Trüffelrisotto, Caprese mit halbgetrockneten Tomaten, Kalb mit Zitrone und Kapern. Genau dort, wo ein einfacher Chardonnay zu wenig und ein Orange zu viel wäre.
Alle drei Weine werden flaschenweise serviert.
Außer einem Glas Champagner (¥2.000) gibt es bei Bello Vero ausschließlich Flaschenweine.
Bestände wechseln täglich — fragen Sie gern an der Theke.
Rot und Weiß aus derselben Lage im Vergleich
Das Spannendste an dieser Lieferung: Palme rot und Palme weiß nebeneinander verkosten — selbe Erde, selber Winzer, selbe Philosophie, andere Sorte. Die saftige Säure des Barbera gegen die Fülle und das Gerüst des Chardonnay; jede Sorte schärft die andere.
Mit der Solata-Orange aus Emilia weitet sich das Spektrum norditalienischer Maischeweine noch einmal. Alle drei mazeriert — und doch sprechen sie völlig unterschiedliche Sprachen.
Drei Rollen am Tisch
- Montepascolo „Solata" — die Komplexität des Orange Wine für aromatische Speisen (Antipasti bis Hauptgang)
- Trinchero „Palme 2023" rot — saftige Säure des Barbera für den Fleischgang
- Trinchero „Palme 2024" weiß — Chardonnay mit Maischearomatik, für Fisch oder Risotto
Wie wir bei Bello Vero Wein auswählen
Unsere Karte ist nach Farbe geordnet — rot, weiß, orange, schäumend — mit Flaschen aus Japan und mehreren europäischen Ländern. Natur, Bio und konventionell stehen nebeneinander: „natürlich" ist keine moralische Position, und manchmal ist ein klassischer Wein der beste Begleiter zum Gericht. Sagen Sie uns, was Sie essen und worauf Sie heute Lust haben — wir finden die passende Flasche.
📍 64-17 Kubota-cho, Kitashirakawa, Sakyo-ku, Kyoto
🕐 Di–So 13:00–22:00 (L.O. 21:30) / Montag Ruhetag
2 Min. von der Bushaltestelle Kitashirakawa / 15 Min. Fußweg vom Ginkaku-ji
📷 Reservierung per Instagram-DM @bellovero_kyoto